- Redaktionen und Verlagsbereiche, in denen heute Qualitätsprodukte erstellt werden, sind vielfach zu groß und zu teuer. Bei den starken Anzeigenerlösrückgängen müssen sich die Verlage auf radikal niedrigere Kosten einstellen. Flachere Hierarchien in Verlagen und Redaktionen. Analyse der Gehaltsstrukturen, richtige Mischung von Redaktionspersonal, Synergien in Vertriebs- und Anzeigenmarkt müssen konsequent genutzt werden
- Qualitäts- und originärer Inhalt von Medien muss teurer werden; sowohl bei Zeitungen als auch bei Zeitschriften. Jahrelang konnte über Anzeigenpreissteigerungen der erforderliche Erlöszuwachs erzielt werden, der nötig war, um stabile oder wachsende Gewinne sicherzustellen. Diese Zeit ist vorbei. 100 Seiten erstklassiger und orginärer Inhalt, wie er von Qualitäts-Zeitschriften in Markenartikel-Qualität geboten wird, haben ihren Preis. Bei kaum steigenden Auflagen muss der Preis steigen. Dabei ist zu überprüfen, ob die teilweise bedingungslosen ‘online first’ Strategien wirklich zielführend sind. Exklusiv Beiträge dürfen online nur angeteasert werden.
- Zeitschriften-Abonnements haben den Vorteil der pünktlichen und regelmäßigen Zustellung. Die hohen Abo-Prämien müssen abgebaut werden. Prämien bis zum Wert eines Jahresabos oder Probeabos mit hohen geldwerten Vorteilen werden vom Leser mehr und mehr ausgenutzt. Insbesondere Zielgruppenzeitschriften, die ihre Selektionskraft behalten wollen und ihren Preis wert sind, sollten auf Prämien (Abo) in jeder Form verzichten.
- Sonstiger Verkauf ist die IVW Kategorie mit den höchsten Wachstumsraten. Das nutzt nur bei großem Anzeigengeschäft. Verlage, die in die IVW Kategorie “sonstiger Verkauf” investieren, können sich das nur leisten, wenn entweder ihre Marktposition führend wird oder Leserschaftsdaten generiert werden können, die deutlich höhere und profitablere Anzeigenpreise und –mengen generieren. Wenn jetzt die Anzeigenvolumen stark zurückgehen, werden die sonstigen Auflagen zu einer schweren Hypothek.
- Wenn die Anzeigenmenge generell zurückgeht nimmt die Beachtung zu. Die Preise dürfen dann steigen.Viele Zielgruppenzeitschriften haben nur noch eine Hand voll Anzeigen auf 70 – 100 Seiten Redaktion verteilt. Die Beachtung und Wirkung nimmt zu. Die Anzeigenpreise dürfen steigen.
- Korrespondenten, insbesondere im Ausland, sind als festangestellte Mitarbeiter für kaum einen Titel rentabel.Weder im Politik- noch im Wirtschafts- oder Moderessort sind festangestellte Korrespondenten in der heutigen Zeit noch sinnvoll zu beschäftigen und zu vergüten. Verlage sollten viel stärker miteinander kooperieren und Inhalte gegenseitig austauschen.
- In vielen Redaktionen wird eine Qualitätsdiskussion geführt, die die meisten Leser so gar nicht nachvollziehen können. Sie ist deshalb übertrieben. Aktualität, Umfänge, Fotostrecken usw. das sind Dauerthemen zwischen Redaktionen und Verlagen. Dabei werden Besitzstände verteidigt an Stellen, wo Internet oder TV und Radio das Rennen längst gewonnen haben. In der jetzigen schwierigen Zeit sollte man darauf verzichten.
- Verlage müssen in Servicebereichen kooperieren. Dies betrifft Abo-Verwaltung, Einzelverkauf und Anzeigenvermarktung. Für viele spezialisierte Anbieter sind die Aufwendungen für eigene Verlagsabteilungen überproportional hoch. Hier sind Synergien verlagsintern und übergreifend unbedingt anzustreben und zu realisieren.
- Marktzugang kann man sich heute nur noch mit einem interessanten Titelportfolio sichern. Kleinere Verlagshäuser sollten daher dringend mit Vermarktungsorganisationen kooperieren, die diesen Marktzugang haben und auf Dauer sicherstellen können.
- Forschungsbudgets und Mut zur Produktentwicklung müssen wie in jeder Branche gesichert und bereitgestellt werden, um sie gezielt zu investieren. Vom Sparen alleine kommt keine neue Dynamik in den Markt. Wie in jeder Branche zeigt sich auch im Zeitschriftenmarkt, dass es trotz Titelsterben und vielen Einstellungen auch immer neue erfolgreiche Titel gibt. Neon, Landlust, Instyle usw.
31.August 2009

